DER STONEMAN oder die beiden Steinmänner

24.05.2014
Text: Mirko Lange

Am 23.05.14 machten sich die beiden Flachlandtiroler und Fahrer des Teams RFS (Rocco’s Fahrradshop) Steffen Hamann und Mirko Lange auf ins Erzgebirge.
Das Ziel war hochgesteckt: Zusammen wollten sie als erstes Zweierteam den einmaligen Stoneman in Deutschland, den Stoneman-Miriquidi (Finsterwald), finishen. Der Stoneman-Miriquidi ist der kleine Bruder des legendären Stoneman-Dolomiti in Südtirol.
Roland Stauder „Dolomitenman und mehrfacher Marathonweltmeister“ hat mit seinem Team etwas Einzigartiges geschaffen. Eine MTB-Strecke durch zwei Länder über die neun höchsten Gipfel des Erzgebirges mit 4.400 Hm und einer Streckenlänge von 162 km „pure mountainbike emotion“.
Am Freitagnachmittag erkundeten wir die Gegend am Fichtelberg, unserer Startareal. Das Aufwärmtraining ging auch nicht ganz ohne kleine Stürze von statten, ein Vorgeschmack auf unsere Abenteuer am nächsten Tag.
Am Sonnabend starteten wir um 07:00 Uhr nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Erhalt der Startunterlagen. Nun wurde es ernst. Am Fuße des Fichtelbergs machten wir uns auf zum ersten Etappenziel, dem Bärenstein mit 898 m Höhe. Er diente uns erstmal zum Aufwärmen. Schon kurz nach dem Start kamen wir aus den Staunen nicht mehr heraus. Aus dem morgendlichen Nebelteppich erwachte bei strahlendem Sonnenschein die wunderschöne Landschaft des Erzgebirges.
Ruck zuck war auch schon die erste Hinweistafel mit der zugehörigen Stempelstelle erreicht. Nur sollte der Tag noch so einige Überraschungen für uns parat haben.
Vom Bärenstein ging es zum Pöhlberg, welcher uns mit einer heftigen Splitrampe überraschte. Die ersten Meter mussten wir nun vom Rad und einige Meter schieben. Der nächste Gipfel, der Scheibenberg, war auch schnell erreicht. Alle drei bis jetzt bewältigten Berge sind Reste eines tertiären Lavastromes und bestehen zum größten Teil aus Basalt. Das damals umliegende Relief erodierte, so dass nun das ehemalige Tal als neue Höhen das Gelände überragt. In rasanter Fahrt bei ca. km 70 zwischen Scheibenberg und Rabenberg überraschte uns ein heftiges Gewitter mit Hagel. Ab nun wurde es eine überaus feuchte Fahrt. Die Regenschlacht war eröffnet. Im Nu entstanden Ausspülungen, Wege wurden zu Bächen und Pfützen zu Seen. An einigen Stellen versanken unsere Räder fast bis zu den Achsen im Schlamm und an ein Weiterfahren war nicht zu denken. So manches Mal wurde geschoben. Bis zum Ende unseres Kräfte raubenden Ritts sollte es so bleiben.
Für Abwechslung und jede Menge Fun auch unter diesen Umständen sorgen die angelegten Trails am Rabenberg. Psychologisch wieder auf der Höhe nach den netten Trails ging es zum letzten Berg auf deutscher Seite, zum Auersberg, bevor die Hügelchen auf der Tschechischen Seite unter die Räder genommen wurden.
In Tschechien warteten auf uns der Plattenberg, Plessberg und Keilberg. Am Plessberg nahm unser größtes Verhängnis seinen Lauf. Über eine Baustelle der neu zu erschaffenen Skianlage begann der Gipfelsturm. Durch Matsch und Geröll bahnten wir uns den Weg Meter um Meter nach oben. Auf dem Berg wartete eine besondere Überraschung. Abfahrt über eine Geröllwüste der zukünftigen Skipiste. Auf Grund der Steilheit und zu unserer Sicherheit entschieden wir uns so weit wie möglich rechts Abzufahren, jedoch sahen wir dadurch die Streckenschilder auf halber Höhe der Abfahrt nicht. Am Fuße des Berges angekommen begann das große Suchen. Wir entschieden uns zum letzten bekannten Streckenabschnitt zu fahren, was bedeutete, dass wir den Plessberg eine zweites Mal bezwingen mussten. Dies kostete uns fast drei Stunden bei diesen extremen Bedingungen. Bei der zweiten Skipistenabfahrt konnten wir nun den linken Abzweig nehmen und waren sehr froh wieder auf der Strecke zu sein. Ein Aufgeben nach so vielen Strapazen und nur noch zwei verbleibende Berge kam nicht in Frage, selbst wenn wir ins Ziel kriechen müssten. Nach einer wiederum rasanten Abfahrt nun schon bei einsetzender Dunkelheit wurden die Scheinwerfer angebaut und es ging im deutlich langsameren Tempo und für uns auf einer nicht enden wollenden Strecke zum Klinovec (Keilberg). Auf diesem Weg hatten wir jeglichen Bezug zu Zeit und Raum verloren. Wir funktionierten nur noch. Auf dem Keilberg angekommen, überraschte uns während des Stempelvorgangs in Minutenschnelle eine Nebelwand so dass wir die Abfahrt suchen mussten.
Die letzten Kräfte sammelnd setzten wir zum Zielsprint unserem letzten Gipfel dem Fichtelberg an, ich glaube eine Schnecke hätte uns jetzt noch überholen können.
Am Fichtelberg angekommen haben wir mit letzter Kraft unsere Karte gestanzt und danach fiel alle Last von uns ab wir waren „Stonemen“ JIPPI. Wir hatten uns und den Trail bezwungen, unser ganz persönlicher Egoshooter über 185 km über 9 (10) Gipfel über 5.700 Hm mit dem MTB in 18 Stunden. Wir die Flachlandtiroler sind Stonemen!
Zitat (by Roland Stauder): „Der Stoneman ist ein Bike-Erlebnis, das mit einem Traum beginnt und in einer tiefgreifenden Erfahrung endet“. Wie wahr!!!