X-Terra WM in Zittau - Fango und kalte Aufgüsse

18.08.2014
Text: Mirko Lange

Unser letztes Wettkampfwochenende war alles andere als ein Wellness-Urlaub!
Mit unserer Supporterin Friedi fuhren Bengt und Mirko zum kleinsten Mittelgebirge Deutschlands in die Lausitz nach Zittau. Hier fand nichts Geringeres als die Weltmeisterschaft im Cross-Triathlon statt. Bengt startete in der Xterra-Germany-Wertung und Mirko in der Wertung der Age Group ITU WM. Jeder auf der identischen Strecke von 1,5 km Schwimmen, 36 km MTB mit 1.160 Hm und 9 km Crosslauf. Wir hatten uns viel vorgenommen, waren hochmotiviert und vor allem - wir waren topfit. Für Mirko sollte es der absolute Wettkampfhöhepunkt im Jahr 2014 sein.
In der Woche vor unseren Fight hatte es schon einige Male geregnet, jedoch stimmte uns das, was in der Nacht vor dem Wettkampf aus den Wolken kam, schon sehr bedenklich.
Die Wettbewerbe der Altersklassen, Damen und Herren sowie Profis starteten in mehreren Wellen, für Mirko 10:00 Uhr, Bengt startete 10:45 Uhr.
Der Olbersdorfer-See war in den letzten Tagen soweit abgekühlt, dass bei 21°C Wassertemperatur mit Neo geschwommen werden konnte. Bei beiden verlief das Schwimmen erwartungsgemäß gut. Die letzten gemeinsamen Freiwassereinheiten im Bitterfelder-Meer hatten sich also voll ausgezahlt.
Auf der Radstrecke sollten wir nun die ganze Härte des Rennens erleben. Bei extremsten Bedingungen ging es bei ständigen Schauern in das Zittauer-Gebirge, wo ausgespülte Wege, Schlamm in Unmengen, glitschige Trails und waghalsige Abfahrten auf uns warteten. Es wurde schnell klar, dass das Rennen auf dem Rad gewonnen oder verloren wurde. Zunächst lief es unter diesen Umständen bei beiden ganz gut, bis bei Mirko eine Tour der Tortur begann. Am ersten Berg rissen ein Riemen der Schuhe und später die Kette. Der erste Kettenschaden konnte in wenigen Minuten mit einem Kettenschloss behoben werden, jedoch schon bald riss die Kette an einer anderen Stelle erneut und ein weiteres Kettenschloss war nicht mehr zur Hand, es musste genietet werden. Über 20-Minuten dauerte die Prozedur. Vor lauter Zittern fiel Mirko der Nietstift ständig in den Dreck und war kaum in der Lage, das Werkzeug zu bedienen. Die Option des Aufgebend war in Ansätzen schon angedacht, jedoch womöglich einmal im Leben an einer WM teilzunehmen verdrängte dieses Hirngespinst zum Glück. „Du musst finishen, auch wenn du als letzter durchgehst. Oder der Schmerz vergeht ein DNF vergisst du nie“ betete Mirko sich immer und immer wieder vor. Nach diesem Malheur funktionierte auf den kleinen Kränzen vorn und hinten nichts mehr, an vielen Stellen war nun Schieben angesagt, die Zeit verrann.
Bengt hingegen fuhr ein fulminantes Rennen, die widrigen Umstände konnten ihm nichts anhaben, in einer Zeit ganz knapp über 2 Stunden.
Vollkommen schlammverkrustet ging es nach dem Radfahren auf eine 9 km lange Laufrunde um den O-See. Der besondere Anspruch lag hier ebenfalls in der Bewältigung der aufgeweichten Wege und der sehr rutschigen Abhänge. Auch hier konnte Bengt seine Stärken voll ausspielen und in einer Laufzeit von 39:15 min das Ziel souverän erreichen.
Mirko wollte nach der verpatzten Rad schieb (Rad fahrt) wenigstens auf der Laufstrecke noch einmal alles geben. So ging er also volles Risiko, kein Abhang war zu steil, er rutschte zum Teil wie auf Skis. In einer für Mirko sehr guten Laufzeit von 48:24 min hatte er nach 4:43 Stunden endlich das Ziel erreicht, überglücklich die zwischenzeitlichen Dämonen vertrieben zu haben.
Die Organisatoren hatten es bei diesen Wetterbedingungen nicht leicht. Wir zollen ihnen jeden Respekt, solch eine tolle Veranstaltung mit Unmengen an Zuschauern und Teilnehmern aus der ganzen Welt unter diesen Umständen bewältigt zu haben. Danke auch an unsere Supporterin Friedi, die ja auch den Wetterbedingungen trotzen musste, uns an der Strecke motivierte und im Ziel in Empfang und auch wieder mit nach Hause nahm (so dreckig wie wir waren ;-) ).
Für die wunderschöne Landschaft hatte ich leider kein Auge und kann sie daher auch nicht in diesem Bericht beschreiben, aber Zittau ist auf jeden Fall eine Reise Wert. Wir werden sicher bei der nächsten O-See-Challenge wieder dabei sein und vielleicht den einen oder anderen Kurzurlaub dort verbringen.
Bengt S 31:16; MTB 2:00:50; L 39:15; Gesamtzeit+ Wechsel 3:15:31.79
Mirko S 29:21; MTB 3:18:55; L 48:24; Gesamtzeit+ Wechsel 4:42:50.72